Die Gemeinde betreibt bereits eine Holzschnitzelheizung für die Fernwärmeversorgung. Im Rahmen der weiteren Energieplanung wurden verschiedene Möglichkeiten geprüft – unter anderem auch ein Holzvergaser. Schliesslich rückte jedoch die Nutzung von lokal produziertem Solarstrom in den Mittelpunkt.
Den ersten Schritt bildete eine Potenzialanalyse der gemeindeeigenen Gebäude. Dabei zeigte sich, dass rund 20 gemeindeeigene Liegenschaften grundsätzlich für Photovoltaikanlagen geeignet sind. Die guten Sonneneinstrahlungsverhältnisse bieten sowohl im Sommer als auch im Winter ideale Voraussetzungen für eine hohe lokale Stromproduktion. Anschliessend wurden die technischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Voraussetzungen für eine lokale Elektrizitätsgemeinschaft (LEG) im Rahmen einer Machbarkeitsstudie untersucht.
Parallel dazu entwickelte die Gemeinde eine langfristige Sanierungsstrategie für ihre Liegenschaften, bei der der Ausbau der Photovoltaik konsequent mitgedacht wird. Heute befinden sich bereits drei Photovoltaikanlagen auf gemeindeeigenen Gebäuden (Mehrzweckgebäude und Fernheizung) mit einer Leistung von total ca. 100 kWp. Weitere Anlagen sind geplant, darunter eine grössere Installation im Rahmen einer Dachsanierung im Jahr 2027.

Bevor die LEG ihren Betrieb aufnimmt, setzt die Gemeinde Escholzmatt-Marbach zunächst auf einen virtuellen Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (vZEV). Dieser ist seit Dezember 2025 in Betrieb und verbindet mehrere gemeindeeigene Gebäude, die direkt am selben Verteilkasten angeschlossen sind – eine Voraussetzung für die Bildung des vZEV.
Die beteiligten PV-Anlagen produzieren jährlich rund 99'000 kWh Solarstrom. Aktuell kann etwa 61 % des produzierten Stroms direkt innerhalb des vZEV genutzt werden, während 39 % ins öffentliche Netz eingespeist werden. Hochgerechnet stehen damit jährlich rund 40'000 kWh Überschussstrom zur Verfügung, der künftig über die LEG lokal an weitere Abnehmer verkauft werden kann.
Am vZEV beteiligt sind:
Der vZEV bildet damit einen wichtigen ersten Schritt: Er lässt sich ohne grössere Vorinvestitionen umsetzen und ermöglicht es der Gemeinde, einen möglichst grossen Teil ihres Solarstroms selbst zu nutzen. Die LEG erweitert diesen Ansatz über die Grenzen des vZEV hinaus. Der vZEV bleibt bestehen und nimmt künftig als Einheit an der LEG teil.
Zum Start der LEG werden die Gemeinde Escholzmatt-Marbach als Produzentin und die Sportbahnen Marbachegg als erste externe Strombezüger teilnehmen. Perspektivisch soll die Gemeinschaft auf das gesamte Gemeindegebiet ausgeweitet und um weitere öffentliche Gebäude sowie zusätzliche Produzenten und Verbraucher ergänzt werden. Bis 2035 sollen so jährlich rund 180'000 kWh lokal produzierter Strom innerhalb der LEG genutzt werden.
Von Beginn an setzte die Gemeinde auf die Zusammenarbeit verschiedener Partner. Neben der Gemeindeverwaltung waren die Sportbahnen Marbachegg, der regionale Entwicklungsträger Luzern West sowie externe Fachpartner an der Planung beteiligt.
Während sich die Gründung eines vZEV vergleichsweise einfach gestaltet und im Wesentlichen eine Anmeldung beim Verteilnetzbetreiber erfordert, ist die Umsetzung einer LEG rechtlich und organisatorisch anspruchsvoller. Bei der LEG betraten zudem auch die beteiligten Verteilnetzbetreiber teilweise Neuland. Insbesondere in der Startphase waren die notwendigen Informationen und Abläufe noch nicht durchgehend verfügbar oder mussten im Austausch mit den Beteiligten geklärt werden.
Gerade deshalb erwies sich die Zusammenarbeit verschiedener Akteure als entscheidend. Sie ermöglichte es, technische, wirtschaftliche und rechtliche Fragestellungen gemeinsam zu lösen, Erfahrungen zu sammeln und das Projekt Schritt für Schritt weiterzuentwickeln.
Die grössten Herausforderungen lagen weniger in der Technik als vielmehr in den sich laufend verändernden gesetzlichen Rahmenbedingungen. Gleichzeitig war es anspruchsvoll, die notwendigen Datengrundlagen zusammenzutragen und die rechtlichen sowie organisatorischen Voraussetzungen für die zukünftige LEG zu schaffen.

«Das technische und organisatorische Know-how war innerhalb der Verwaltung nicht vorhanden. Die Informationen auf lokalerstrom.ch waren für die Erarbeitung der Entscheidungsgrundlagen elementar. Besonders wichtig war dabei auch die Begleitung durch ein von Stromkonzernen unabhängiges Unternehmen.»
so Jeannette Riedweg, Gemeinderätin der Gemeinde Escholzmatt-Marbach.

Die Gemeinde Escholzmatt-Marbach gehört zu den Vorreitern bei der Umsetzung von lokalen Elektrizitätsgemeinschaften in der Schweiz. Das Projekt wurde deshalb auch im SRF-Kassensturz vom 26. Mai 2026 vorgestellt. Der Beitrag zeigt anhand konkreter Beispiele, wie Nachbarinnen und Nachbarn künftig lokal produzierten Solarstrom gemeinsam nutzen können und welche Chancen das neue Modell bietet.
→ Zum Kassensturz-Beitrag: «Strom aus dem Quartier: Solarenergie vom Nachbarn»
→ Zur Zusammenfassung auf lokalerstrom.ch