Praxisbeispiel
10.09.2026

Escholzmatt-Marbach: Mit Weitsicht zur lokalen Elektrizitätsgemeinschaft

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Beat Brechbühl / Sportbahnen Marbachegg AG

Projekt auf einen Blick
Modell
vZEV und LEG
Standort
Escholzmatt-Marbach (LU)
In Betrieb seit
vZEV seit Dezember 2025, LEG in Planung
Verwaltung
vZEV selbst verwaltet, LEG künftig durch externen Dienstleister
Anzahl Teilnehmende
2 (Gemeinde und Sportbahnen)
PV-Leistung
aktuell 100 kWp (Potenzial: ca. 180 kWp)
EMS
geplant / in Prüfung
Speicher
geplant / in Prüfung
Wie kann lokal produzierter Solarstrom möglichst sinnvoll innerhalb einer Gemeinde genutzt werden? Mit dieser Frage beschäftigte sich die Gemeinde Escholzmatt-Marbach bereits früh. Das Potenzial war vorhanden: Zahlreiche gemeindeeigene Gebäude eignen sich für den Bau von Photovoltaikanlagen, gleichzeitig verfolgt die Gemeinde seit Jahren das Ziel, ihre Energieversorgung nachhaltiger und regionaler zu gestalten.

Vom Potenzial zur konkreten Umsetzung

Die Gemeinde betreibt bereits eine Holzschnitzelheizung für die Fernwärmeversorgung. Im Rahmen der weiteren Energieplanung wurden verschiedene Möglichkeiten geprüft – unter anderem auch ein Holzvergaser. Schliesslich rückte jedoch die Nutzung von lokal produziertem Solarstrom in den Mittelpunkt.

Den ersten Schritt bildete eine Potenzialanalyse der gemeindeeigenen Gebäude. Dabei zeigte sich, dass rund 20 gemeindeeigene Liegenschaften grundsätzlich für Photovoltaikanlagen geeignet sind. Die guten Sonneneinstrahlungsverhältnisse bieten sowohl im Sommer als auch im Winter ideale Voraussetzungen für eine hohe lokale Stromproduktion. Anschliessend wurden die technischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Voraussetzungen für eine lokale Elektrizitätsgemeinschaft (LEG) im Rahmen einer Machbarkeitsstudie untersucht.

Parallel dazu entwickelte die Gemeinde eine langfristige Sanierungsstrategie für ihre Liegenschaften, bei der der Ausbau der Photovoltaik konsequent mitgedacht wird. Heute befinden sich bereits drei Photovoltaikanlagen auf gemeindeeigenen Gebäuden (Mehrzweckgebäude und Fernheizung) mit einer Leistung von total ca. 100 kWp. Weitere Anlagen sind geplant, darunter eine grössere Installation im Rahmen einer Dachsanierung im Jahr 2027.

Gemeindeeigene Gebäude mit Photovoltaikanlagen in Escholzmatt-Marbach
Bereits heute produzieren zwei gemeindeeigene Photovoltaikanlagen Solarstrom (99'000 kWh / Jahr). Weitere Anlagen entstehen im Rahmen der langfristigen Gebäudesanierung. (Quelle: Gemeinde Escholzmatt-Marbach)

Der vZEV als erster Meilenstein

Bevor die LEG ihren Betrieb aufnimmt, setzt die Gemeinde Escholzmatt-Marbach zunächst auf einen virtuellen Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (vZEV). Dieser ist seit Dezember 2025 in Betrieb und verbindet mehrere gemeindeeigene Gebäude, die direkt am selben Verteilkasten angeschlossen sind – eine Voraussetzung für die Bildung des vZEV.

Die beteiligten PV-Anlagen produzieren jährlich rund 99'000 kWh Solarstrom. Aktuell kann etwa 61 % des produzierten Stroms direkt innerhalb des vZEV genutzt werden, während 39 % ins öffentliche Netz eingespeist werden. Hochgerechnet stehen damit jährlich rund 40'000 kWh Überschussstrom zur Verfügung, der künftig über die LEG lokal an weitere Abnehmer verkauft werden kann.

Am vZEV beteiligt sind:

  • Prosumer: Fernheizung und Mehrzweckgebäude
  • Konsumenten: Fernheizung, Mehrzweckgebäude, Schulhaus, altes Schulhaus und Steueramt

Der vZEV bildet damit einen wichtigen ersten Schritt: Er lässt sich ohne grössere Vorinvestitionen umsetzen und ermöglicht es der Gemeinde, einen möglichst grossen Teil ihres Solarstroms selbst zu nutzen. Die LEG erweitert diesen Ansatz über die Grenzen des vZEV hinaus. Der vZEV bleibt bestehen und nimmt künftig als Einheit an der LEG teil.

Zum Start der LEG werden die Gemeinde Escholzmatt-Marbach als Produzentin und die Sportbahnen Marbachegg als erste externe Strombezüger teilnehmen. Perspektivisch soll die Gemeinschaft auf das gesamte Gemeindegebiet ausgeweitet und um weitere öffentliche Gebäude sowie zusätzliche Produzenten und Verbraucher ergänzt werden. Bis 2035 sollen so jährlich rund 180'000 kWh lokal produzierter Strom innerhalb der LEG genutzt werden.

Gemeinsam Schritt für Schritt zum Ziel

Von Beginn an setzte die Gemeinde auf die Zusammenarbeit verschiedener Partner. Neben der Gemeindeverwaltung waren die Sportbahnen Marbachegg, der regionale Entwicklungsträger Luzern West sowie externe Fachpartner an der Planung beteiligt.

Während sich die Gründung eines vZEV vergleichsweise einfach gestaltet und im Wesentlichen eine Anmeldung beim Verteilnetzbetreiber erfordert, ist die Umsetzung einer LEG rechtlich und organisatorisch anspruchsvoller. Bei der LEG betraten zudem auch die beteiligten Verteilnetzbetreiber teilweise Neuland. Insbesondere in der Startphase waren die notwendigen Informationen und Abläufe noch nicht durchgehend verfügbar oder mussten im Austausch mit den Beteiligten geklärt werden.

Gerade deshalb erwies sich die Zusammenarbeit verschiedener Akteure als entscheidend. Sie ermöglichte es, technische, wirtschaftliche und rechtliche Fragestellungen gemeinsam zu lösen, Erfahrungen zu sammeln und das Projekt Schritt für Schritt weiterzuentwickeln.

Herausforderungen

Die grössten Herausforderungen lagen weniger in der Technik als vielmehr in den sich laufend verändernden gesetzlichen Rahmenbedingungen. Gleichzeitig war es anspruchsvoll, die notwendigen Datengrundlagen zusammenzutragen und die rechtlichen sowie organisatorischen Voraussetzungen für die zukünftige LEG zu schaffen.

Jeannette Riedweg, Gemeinderätin von Escholzmatt-Marbach
Jeannette Riedweg, Gemeinderätin der Gemeinde Escholzmatt-Marbach (Bildquelle: SRF Kassensturz)
«Das technische und organisatorische Know-how war innerhalb der Verwaltung nicht vorhanden. Die Informationen auf lokalerstrom.ch waren für die Erarbeitung der Entscheidungsgrundlagen elementar. Besonders wichtig war dabei auch die Begleitung durch ein von Stromkonzernen unabhängiges Unternehmen.»

so Jeannette Riedweg, Gemeinderätin der Gemeinde Escholzmatt-Marbach.

Zentrale Erkenntnisse

  • Potenzial ganzheitlich betrachten: Die ursprüngliche Projektidee sah einen Holzvergaser vor. Erst die vertiefte Analyse zeigte, dass sich die Nutzung von lokal produziertem Solarstrom für die Gemeinde besser eignet. Verschiedene Lösungsansätze frühzeitig zu prüfen, hat sich deshalb als wertvoll erwiesen.
  • Mögliche Verbundgebiete frühzeitig analysieren: Bei der Analyse und Planung sollten Netzebenen, Gemeindegrenzen sowie mögliche vZEV berücksichtigt werden, um geeignete Verbundgebiete zu identifizieren und eine möglichst attraktive LEG zu schaffen.
  • Klein starten und weiterentwickeln: Die LEG beginnt bewusst mit wenigen Teilnehmenden. Dieses schrittweise Vorgehen reduziert die Komplexität und schafft gleichzeitig die Grundlage für einen späteren Ausbau.

Tipps für Nachahmer

  • Das Potenzial der eigenen Gebäude frühzeitig analysieren.
  • Photovoltaik und lokale Strommodelle bereits in die langfristige Gebäudestrategie integrieren.
  • Für die Machbarkeitsprüfung unabhängige Fachpartner beiziehen.
  • Mit einem überschaubaren Projekt starten und die Gemeinschaft schrittweise erweitern.
Luftaufnahme von Escholzmatt-Marbach mit gemeindeeigenen Gebäuden und Photovoltaikanlagen
Die Gemeinde Escholzmatt-Marbach entwickelt ihre Energieversorgung Schritt für Schritt weiter – vom vZEV bis zur lokalen Elektrizitätsgemeinschaft. (Quelle: Gemeinde Escholzmatt-Marbach)

Weiterführende Informationen

Die Gemeinde Escholzmatt-Marbach gehört zu den Vorreitern bei der Umsetzung von lokalen Elektrizitätsgemeinschaften in der Schweiz. Das Projekt wurde deshalb auch im SRF-Kassensturz vom 26. Mai 2026 vorgestellt. Der Beitrag zeigt anhand konkreter Beispiele, wie Nachbarinnen und Nachbarn künftig lokal produzierten Solarstrom gemeinsam nutzen können und welche Chancen das neue Modell bietet.

→ Zum Kassensturz-Beitrag: «Strom aus dem Quartier: Solarenergie vom Nachbarn»

Zur Zusammenfassung auf lokalerstrom.ch