Praxisbeispiel
23.10.2026

Praxismodell in Bäriswil: Solarstrom dort nutzen, wo er entsteht

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Genossenschaft Elektra, Jegenstorf

Projekt auf einen Blick
Modell
Praxismodell
Standort
Bäriswil (BE)
In Betrieb seit
01.01.2026
Verwaltung
Genossenschaft Elektra Jegenstorf
Anzahl Teilnehmende
9, davon 3 Prosumer
PV-Leistung
3 PV-Anlagen, total 36 kWp
EMS
Nein
Speicher
in Prüfung
Im Quartier Fuchsmatte in Bäriswil haben sich drei Besitzer von Photovoltaikanlagen mit sechs weiteren Haushalten zusammengeschlossen, um ihren lokal produzierten Solarstrom direkt vor Ort zu nutzen. Seit Januar 2026 läuft die Gemeinschaft erfolgreich unter dem Praxismodell der Genossenschaft Elektra Jegenstorf.

Gemeinsam für mehr lokalen Stromverbrauch

Statt ihren selbst produzierten Strom primär ins Netz einzuspeisen, verfolgen Jürg Gosteli und seine Nachbarn das Ziel, Produktion und Verbrauch im eigenen Quartier zusammenzubringen. Für Jürg Gosteli, einen der Initianten und heutigen Ansprechpartner der Gemeinschaft, stehen dabei nicht in erster Linie finanzielle Überlegungen im Vordergrund. Viel wichtiger ist es für ihn, den lokal produzierten Strom möglichst dort zu verbrauchen, wo er entsteht, um dadurch sowohl fossile Energieträger zu ersetzen als auch das Stromnetz zu entlasten. Die Idee stiess im Quartier auf offene Ohren: Fast alle angesprochenen Nachbarn beteiligten sich sofort am Vorhaben.

Die Qual der Wahl: vZEV, LEG oder Praxismodell?

Die Initianten prüften unterschiedliche Modelle wie den virtuellen Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (vZEV) und die lokale Elektrizitätsgemeinschaft (LEG). Überzeugt hat sie dann das Praxismodell der Genossenschaft Elektra Jegenstorf (mehr Informationen dazu gibt es auf der Website der Elektra). Der entscheidende Vorteil aus ihrer Sicht: Die notwendige Abrechnungsdienstleistung ist bereits integriert und wird direkt von der Genossenschaft Elektra Jegenstorf übernommen. Zudem schätzen sie die Elektra als verlässlichen und kundenfreundlichen Partner. Eine LEG hat aus ihrer Sicht aber zukünftig durchaus auch Potenzial.

Direkt und unkompliziert

Dank des gewählten Praxismodells verlief die Umsetzung pragmatisch und unkompliziert. Nach ersten Gesprächen im August 2025 folgte die Anmeldung im Oktober. Im November wurden die noch fehlenden Smart Meter installiert. Bereits am 1. Januar 2026 konnte die Eigenverbrauchsgemeinschaft den Betrieb aufnehmen.

Auch für die Konsumentinnen und Konsumenten gestaltete sich die Teilnahme einfach. Sie mussten lediglich die Teilnahmeunterlagen unterzeichnen und konnten bereits ab Betriebsstart von günstigeren Stromkosten profitieren. Die Produzenten teilten sich die einmaligen Einrichtungskosten von 450 Franken untereinander.

Eine Schlüsselrolle bei der Umsetzung spielte Jürg Gosteli, der als Vertreter der Gemeinschaft den Austausch mit der Elektra koordinierte und die Gespräche mit Produzenten und Nachbarn führte. Externe Dienstleister waren nicht nötig. Fragen konnten direkt mit den Mitarbeitenden der Elektra geklärt werden, die den Prozess eng begleiteten.

Faire Tarife und einfache Administration

Das Praxismodell der Elektra basiert auf einem klaren und transparenten Abrechnungssystem. Die Teilnehmenden beziehen den lokal erzeugten Strom zu 80 Prozent des Tarifs des Standardstromprodukts der Elektra. Die Produzenten erhalten für ihren gelieferten Strom denselben Betrag, abzüglich einer Bearbeitungsgebühr von 2 Rp./kWh für die Abrechnung. Für Jürg Gosteli sind diese Konditionen fair und nachvollziehbar.

Auch im Betrieb bleibt der administrative Aufwand überschaubar. Jürg Gosteli ist Ansprechstelle für übergeordnete administrative und technische Belange gegenüber der Elektra Jegenstorf. Die Elektra erstellt für alle Teilnehmenden individuelle Abrechnungen beziehungsweise Gutschriften. Die Gemeinschaft verfügt aktuell weder über ein Energiemanagementsystem noch über einen Batteriespeicher. Letzterer wird jedoch bereits diskutiert, um künftig noch mehr Solarstrom vor Ort nutzen zu können.

Modernes Wohnhaus mit Photovoltaikanlagen auf dem Haus- und Garagendach in Bäriswil.
Drei Photovoltaikanlagen mit insgesamt 36 kWp Leistung versorgen die Eigenverbrauchsgemeinschaft in Bäriswil mit Solarstrom (Quelle: Genossenschaft Elektra, Jegenstorf)

Erste Resultate machen Mut

Die Erfahrungen der ersten Betriebsmonate fallen positiv aus. Der Eigenverbrauch innerhalb der Gemeinschaft entwickelt sich erfreulich. Während im ersten Quartal 2026 noch rund 9 Prozent des produzierten Stroms innerhalb der Gemeinschaft genutzt wurden, lag dieser Wert im zweiten Quartal bereits bei 33 Prozent. Mit einem zukünftigen Speicher könnte dieser Anteil gemäss den Beteiligten weiter gesteigert werden.

Auch in Bezug auf die Stromkosten zieht Jürg Gosteli eine positive Bilanz. Diese lagen bei ihm im ersten Quartal 2026 rund 13 Prozent und im zweiten Quartal sogar 29 Prozent unter dem Vorjahresniveau, was zumindest teilweise auf den vermehrten Eigenverbrauch zurückzuführen sein dürfte. Hinzu kommen zusätzliche Erlöse aus dem lokal vermarkteten Solarstrom.

«Schade, dass wir nicht früher angefangen haben»

Auf die Frage nach den wichtigsten Erkenntnissen muss Jürg Gosteli nicht lange überlegen. Seine Antwort lautet: «Schade, dass wir das nicht schon früher gemacht haben.» Für andere Quartiere, die eine ähnliche Lösung prüfen, hat er einen klaren Rat: möglichst rasch handeln, Eigeninitiative zeigen und den Nachbarn die Vorteile verständlich erklären. Seine Erfahrung zeigt, dass viele Vorbehalte verschwinden, sobald klar wird, dass die Teilnahme unkompliziert ist und alle Beteiligten profitieren können.

Zentrale Erkenntnisse

  • Direkt kommunizieren: Kurze Kommunikationswege und persönliche Gespräche unter den Projektbeteiligten erleichtern die Umsetzung.
  • Einfach und verständlich informieren: Informationen zu Eigenverbrauchslösungen müssen leicht zugänglich und verständlich sein, um Vertrauen für die Lösungen zu schaffen.
  • Pragmatisch umsetzen: Gute Vorlagen, übersichtliche Anmeldeformulare und klare Verantwortlichkeiten ermöglichen einen unkomplizierten Betriebsstart.

Tipps für Nachahmer

  • Lieber heute als Morgen anmelden.
  • Lösungen und Hilfsmittel des lokalen Verteilnetzbetreibers frühzeitig prüfen. Bestehen bereits geeignete Grundlagen, müssen Prozesse und Dokumente nicht neu entwickelt werden.
  • Selbst Initiative ergreifen. Oft müssen Nachbarn überzeugt werden, damit ein Projekt tatsächlich zum Fliegen kommt.
Jürg Gosteli, Initiant der Eigenverbrauchsgemeinschaft in Bäriswil, vor einem Wohnhaus mit Photovoltaikanlage.
Jürg Gosteli, Initiant: «Bewährtes nutzen, statt alles neu entwickeln.» (Quelle: Genossenschaft Elektra, Jegenstorf)

Über den Initiant

Herr Jürg Gosteli war in leitender Funktion in einem grösseren Verlags- und Druckereiunternehmen tätig. Heute arbeitet er in verschiedenen Museen und wohltätigen Organisationen.

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